2. Schritt für Schritt

Ein Oneironaut wie Emma ist ein Mensch, der seine Träume bewusst steuern kann, während sie gleichzeitig tief und fest schläft. Sie weiß zwar nicht, warum sie es kann. Aber sie kann es halt. Während ihr Körper sich erholt, ist der Kopf weiterhin aktiv. Das ist eine besondere Fähigkeit, die von jedem erlernt werden kann! Der Träumende muss jedoch feste Zeichen in seine Welt einbauen, an denen er seinen luziden Traum als Traum erkennt und wieder aufwachen kann. Ohne Griff, kein Halt. Ohne Halt kein Griff halt. Ansonsten bleibt Emma ewig in seiner Traumwelt gefangen. In dem Film Inception ist es ein Kreisel, oder nicht? Bei Matrix ist es eine schwarze Katze, die den notwendigen Bruch zwischen Realität und Konstruktion sicherstellt. Über das klingelnde Telefon erfolgt der Exit – in die andere Welt.

Merke Dir: Nicht jeder Klick auf Emma ist eine Niete…

1. Geburtsstunde – Aller Anfang ist schwer.

Wake up, Neo… The Matrix has you. Es ist immer wieder die schwarze Katze. Immer wieder die schwarze Katze. Ein Déjà vu. Oder doch nur ein Traum? Emma hat sich den Film jetzt schon zum dritten Mal angesehen. Das erste Mal ist Jahre her. Aber dieses Mal ist alles anders. Es ist alles so klar, so eindeutig, so einfach – man muss nur drauf kommen. Glaube ist der erste Schritt zur Erkenntnis. Aber niemand versteht mich. Die Gedanken kreisen. Niemand versteht mich. Stopp. Niemand versteht diesen Film. Matrix… wer denkt sich schon so einen komplizierten Schwachsinn aus?

Kennst Du das Gefühl, wenn man versucht, etwas zu sagen, aber die richtigen Worte fehlen – und ja ohnehin niemand Dich richtig verstehen wird? Egal mit wem Du sprichst – jeder zeigt Verständnis, versucht Ratschläge zu geben. Aber auch gut gemeinte Ratschläge sind Schläge. Und es bleibt letztlich nur die Gewissheit, dass man ja doch nur sich selbst richtig versteht. Manchmal fühlt sich alles wie ein Albtraum an, aus dem man gerne erwachen würde.

Emma hat eine besondere Fähigkeit erlernt. Emma ist ein Oneironaut. Manchmal hat sie noch Probleme mit dem falschen Erwachen. Noch fünf Minuten. Die Zeit tickt unaufhaltsam.

Ach, was ein schöner Film. Vielleicht beim nächsten Mal wieder Inception oder A Beautiful Mind. Die haben so viele Gemeinsamkeiten mit Matrix. Alles ist so klar, so eindeutig, so einfach. Sie steht auf. Wagt einen Blick durch das Fenster. Sie geht ins Bad. Wäscht sich das Gesicht. Wasser – ein erwachendes Gefühl von Frische. Sie verlässt das Bad und nimmt ihren gewohnten Gang, ihre tägliche Routine. Das macht sie immer so. Gleich mal Facebook checken, vielleicht gibt es dort neue Filmvorschläge von Freunden, die sie gestern nach einer Empfehlung gefragt hat. Dort gibt es jetzt so eine neue Funktion. Total praktisch […]

Emma verlässt das Bad und nimmt ihren gewohnten Gang, ihre tägliche Routine. Um fünf vor 12 macht sie sich auf den Weg zum Essen mit den Anderen  – Emma sitzt seit drei Jahren in der geschlossenen Psychiatrie.